Beltane ist eins der vier Mondfeste im Jahreskreis und wurde ursprünglich am 5. Vollmond nach dem Yule-Fest im Dezember gefeiert wurde. Mittlerweile sind die Walpurgisnacht auf den 30.4. und Beltane auf den 1. Mai festgelegt. Der Name „Beltane“ bedeutet vermutlich „strahlende Sonne“ und setzt sich aus „bel“ (strahlend, leuchtend) und „tene“ oder „teine“ (Feuer) zusammen. Es ist ein außerordentliches Freudenfest. Dass man den Winter, die Kälte, die Dunkelheit und in manchen ernteschwachen Jahren vielleicht auch den Hunger überwunden hat, galt als Wunder. Dementsprechend wurde ausgelassen gefeiert und Lebensfreude zelebriert. Aber auch Themen wie Sinnlichkeit, Fruchtbarkeit, die lustvolle Verbindung zwischen Mann und Frau oder Genuss sind in dieser Jahreszeit wichtig. Die Natur lebt die Lebensfreude und Fruchtbarkeit so schön vor: Sie wird unaufhaltsam grüner, bunter und farbenfroher. Überall sprießen Blüten und Knospen springen auf. Das grüne Leben erwacht! Flieder, Gänseblümchen, Magnolienbäume, Kastanien, Blauregen, Maiglöckchen, Waldmeister, Storchenschnabel, Löwenzahn, Obstbäume und Klatschmohn blühen.

Eidechsen und Blindschleichen genießen die Sonne. Vögel bauen Nester und zwitschern fröhlich ihre Balzgesänge. Es ist eine Zeit der SINNE … alle Sinne werden angesprochen: die Augen sehen die wunderbaren Farben, die Nase riecht Blütendüfte, die Ohren hören Vögel zwitschern und Insekten summen und die Zunge schmeckt die Wildkräuter. Das Sonnenlicht ist bereits wärmer, als es noch zu Ostara war. Wir können rund 15 Lichtstunden pro Tag und hin und wieder tagsüber laue Lüftchen genießen. Ab den Eisheiligen Mitte Mai sollte auch der Nachtfrost endlich vorbei sein. Zu Zeiten der Kelten soll das Klima um diese Jahreszeit schon etwas wärmer gewesen sein, weshalb für sie Beltane der Beginn des Sommers war. Heute bezeichnen wir den Mai auch als Hochzeit des Frühlings oder als Frühsommer. Die aufwachenden und sprießenden Naturkräfte machen natürlich auch etwas mit uns: Wir haben wieder Lust auf dem Balkon oder der Terrasse zu essen und Radtouren, Wanderungen oder Spaziergänge locken uns aus dem Haus.


Mittlerweile hat der junge Sonnengott sein wärmendes Bärenfell endgültig abgelegt und Initiationsrituale im Wald durchlaufen. Er ist zum Mann herangereift. Die junge Frühlingsgöttin ist in ihre fruchtbare Reifephase eingetreten und wird als gebärfähige Frau in Rot dargestellt. Die Bindung zwischen den beiden hat sich seit Ostara gefestigt. Sie geben ihren körperlichen Lüsten nach und begehren und vereinigen sich. In der Vollmondnacht wird Hochzeit gefeiert! Die Frühlingsgöttin trägt ihr schönstes Blumenkleid und die Natur feiert mit ihnen. Der Kuckuck lädt mit seinem Ruf die Gäste ein.

Es ist die Vermählung von Himmel (Sonnengott) und Erde (Frühlingsgöttin bzw. Vegetationsgöttin). In manchen Quellen heißt es, dass in dieser Nacht der neue Jahreskreiskönig gezeugt wird. In anderen Quellen wurde er bereits zu Ostara gezeugt. Wenn die Schwangerschaft eines Gottes wie beim Menschen auch 9 Monate dauert, wurde der neue Jahreskreiskönig bereits zu Ostara gezeugt, da er am 21.12. wiedergeboren wird.

Die jugendliche Frühlingsgöttin Ostara ist herangereift und hat sich in eine lustvolle, sinnliche, fruchtbare, leidenschaftliche Göttin gewandelt. Sie ist die Schöpferin aller Dinge und sie hilft, das Schöne im Leben wahrzunehmen. Je nach Kultur und Epoche wird sie z. B. Venus, Freya, Frigg, Aphrodite, Flora oder Walpurga genannt. Ihr Symbol ist der Vollmond, der für weibliche Energien und Fruchtbarkeit steht.


Walpurga war eine heidnische Göttin, eine Maikönigin, die später im Zuge der Christianisierung heilig gesprochen wurde, da sich das heidnische Fruchtbarkeits- und Freudenfest nicht verbieten lies. Interessant ist, dass das Kloster der christlichen, heiligen Walpurga ein Doppelkloster für Männer und Frauen war. „Walpurga“ ist ein germanischer Name. „Wal“ leitet sich von „walus“ ab, was „Stab“ oder „Zauberstab“ bedeutet. Walpurga war also ein Zauberin bzw. eine Schamanin, die mit anderen Welten kommunizieren konnte. In Böhmen und Niederösterreich wird Walpurga als weiße Frau mit feurigen Schuhen und goldener Krone und Spindeln dargestellt. Die feurigen Schuhe erwärmen die Erde, die goldene Krone symbolisiert die Sonne und die Spindeln stehen für das „Spinnen des Schicksals“.

Ihr Fest, die Walpurgisnacht, wurde in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai gefeiert. In dieser Nacht öffnen sich die Türen zur Anderswelt und die Schleier zwischen beiden Welten werden dünn. Das Volk glaubte, dass in dieser Nacht unterirdische Schätze hoch stiegen und glühten und Brunnen statt Wasser Wein spendeten. Aus simplen Weidenzweigen wurden Wünschelruten und der Tau, der am nächsten Morgen zu sehen war, galt als besonders fruchtbar machend. Auch heute noch werden Mädchen mit Maiwasser begossen, denn es heißt, dass es schön macht und die Gesundheit bewahrt.

(Anmerkung: In den Quellen, die Beltane auf den 5. Vollmond nach Yule legen, öffnen sich die Tore zur Anderswelt in dieser Nacht auch. Es wäre also anzunehmen, dass die Tore über einige Tage langsam aufgehen und sich langsam wieder schließen.)


Weißdorn

Der Weißdorn blüht im Mai und bereits sein milder, süßer Duft verrät seine besänftigende, beruhigende und dennoch stärkende Wirkung. Viele summende Insekten tummeln sich in seinen Blüten und auch für Vögel bietet der stachelige Strauch einen optimalen Schutzort. Für unser Ökosystem hat er eine ganz große Bedeutung. Um die 150 Insektenarten ernähren sich von ihm, welche wiederum die Vögel ernähren, die im Weißdorn Schutz suchen. Für unsere Vorfahren galt der Weißdorn als heiliger Baum, der nicht gefällt werden durfte. Es war die Wohnstätte der großen Muttergöttin und vieler Feen und Elfen. Seine weiße Blütenpracht symbolisiert das Brautkleid der Frühlingsgöttin. Mit seinen Blütenduft assoziierte man früher eine aphrodisierende Wirkung. Früher diente der Weißdorn zusammen mit der Schlehe als lebender Zaun und undurchdringliche Hecke und wurde z. B. zur Umrandung von Grundstücken angepflanzt. Er kann bis zu 500 Jahre alt werden. Die jungen Blätter und Blüten passen in einen Wildkräutersalat und aus den Beeren kann im Herbst eine Marmelade gekocht werden (z.B. mit Hagebutte gemischt).

In der Volksmedizin schätzt man den Weißdorn bei Folgen von Überarbeitung, Stress und Nervosität. Er stärkt den Herzmuskel, verbessert die Durchblutung der Herzkranzgefäße, beruhigt Herzklopfen, -enge und -stechen, bringt es wieder in seinen natürlichen Rhythmus zurück, unterstützt nach Herzinfarkt, bei Kreislaufschwäche, schwachem Herzen und bei stressbedingten Herzbeschwerden in den Wechseljahren. Weißdorn entkrampft, beruhigt und gleicht den Blutdruck aus. Er bringt den Menschen in seine Herzmitte.

Seine Blütenessenz hilft Trauer und Herzenskummer zu überwinden, wenn man einen lieben Menschen oder ein Haustier durch Trennung oder Tod verloren hat.

Zum Räuchern nutzt man die getrockneten Blüten, Blätter und Früchte. Der Duft unterstützt dabei, vom Alltag abzuschalten und innere Ruhe zu finden. Er bringt Mut, Neues zu beginnen und Altes loszulassen. Weißdorn öffnet und weitet das Herz und schafft Platz, neue Ideen empfangen zu können. Menschen, denen es schwerfällt, sich selbst zu behaupten, macht er widerstandsfähiger.

Frauenmantel

Der Frauenmantel ist eine der meist genutzten Frauenheilmittel und hat einen sehr starken Bezug zum Thema Fruchtbarkeit. Wie alle Rosengewächse ist auch er den Göttinnen der Liebe, der Fruchtbarkeit und allem Schöne zugeordnet. Die glitzernden Wasserperlen, die der Frauenmantel in den Morgenstunden auf seinen Blättern trägt, faszinierten schon die Alchemisten im Mittelalter. Sie glaubten, dass die Pflanze das Wasser aus der Erde saugt, um es als Perle dem Himmel zu opfern. Von diesem „Himmelswasser“ versprach man sich Schönheit und Gesundheit. Der englische Apotheker, Arzt und Astrologe Nicholas Culpepper (1616-1654) empfahl das „Himmelwasser“ 20 Tage lang zur Geburtsvorbereitung tropfenweise zu trinken.

Frauenmantel ist eine wunderbare Heilpflanze, um das Hormonsystem auszugleichen und um fruchtbarer zu machen. Man nutzt sie z. B. bei Unfruchtbarkeit, Neigung zu Fehlgeburten, Ausfluss, Myomen, Zysten, aber auch bei zu langen, zu häufigen oder zu starken Regelblutungen. Sie lindert Menstruationskrämpfe und entspannt den Unterbauch. Sie stärkt die Gebärmutter und fördert das YIN in uns – unsere weiblichen Kräfte (übrigens auch beim Mann.).

Für 1 Tasse Tee übergießt man 1-2 TL Kraut mit 250 ml heißem, nicht mehr kochendem Wasser und lässt es abgedeckt 10 min. durchziehen. Anschließend abfiltern und trinken.

Achtung: Durch seine Gerbstoffe kann Frauenmanteltee nach einigen Tagen zu Verstopfung führen.

Es wird das blühende Kraut getrocknet und anschließend verräuchert. Man gibt den Frauenmantel gerne in Mischungen für Liebes- oder Fruchtbarkeitsrituale. Er unterstützt die weibliche Intuition und Kreativität, wirkt beschützend und hilft gleichzeitig ins Tun zu kommen.

Für sinnliche Liebesräucherungen wird Frauenmantel gerne mit Lavendel, Rose, Styrax, Vanille, Kardamom oder Muskatellersalbei gemischt.

Waldmeister

Waldmeister war früher Bestandteil anregender, berauschender Getränke.
Heute kennt man ihn aus der berühmten „Maibowle“, die zu Beltane getrunken wird. „Schütte perlenden Wein auf das Waldmeisterlein…“ dichtete der Erfinder der Waldmeisterbowle Benediktinermönch Wandalbertus von Prüm in der Eifel im Jahr 854 n. Chr..

Für das Originalrezept lässt man ein Sträußchen nichtblühenden Waldmeister über Nacht antrocknen, hängt es mindestens 30 Minuten in 2l Weißwein und füllt es kurz vor dem Servieren mit 1l prickelndem Sekt auf. Weißwein und Sekt sollten vorher schon kaltgestellt worden sein. Aber es gibt viele Variationen, in denen manchmal z. B. auch frische Minze oder Zucker hinzugefügt werden.

Achtung: Bei empfindlichen Menschen und bei zu viel des Guten, kann Waldmeister Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel verursachen.

Der Waldmeister fühlt sich in den lichten und halbschattigen Laubmischwäldern zu Hause. Besonders Buchenwälder gefallen ihm gut. Er mag es, wenn der Boden reich an Nährstoffen, kalkhaltig und feucht ist. Aber auch im Garten lässt er sich ansiedeln und ist ein hervorragendes Raupenfutter für Schmetterlinge. Hier sollte man ihm ein schattiges Fleckchen mit lockerem, nährstoffreichem Boden schenken. Seinen typischen Geruch, den er erst durch das Trocknen / Welken entwickelt, verdankt er den Kumarinen. Kurz vor dem Aufblühen ist der Kumaringehalt am höchsten. Als früher die jungen Frauen sich für die Nacht zum 1. Mai ein Nest aus Blüten und Blumen herrichteten, um dort die Nacht mit ihrem Liebsten zu verbringen, legten sie neben Quendel, Labkraut und Klee auch den duftenden Waldmeister hinein. Seine Wurzeln nutzte man früher, um Wolle rot zu färben.

Seine Beinamen Herzfreund, Waldtee, Teekraut oder Leberkraut verraten schon ein wenig über die Anwendungsbereiche und Anwendungsarten des Waldmeisters.

In der Volksheilkunde wird er bei Leberstauung, Darmstörungen und krampfartigen Zuständen angewandt. Er beseitigt Trübsal und Schwermut und unterstützt außerdem bei Regelschmerzen, Migräne und nervös bedingten Schlafstörungen.

Eine Überdosierung kann zu Kopfschmerzen führen.

Für 1 Tasse Tee übergießt man 1 TL Kraut mit 250 ml heißem, nicht mehr kochenden Wasser und lässt es 5 min. abgedeckt durchziehen. Anschließend abfiltern und trinken.

Man verräuchert das getrocknete, blühende Kraut. Es macht gute Laune, hebt die Stimmung, beseelt, regt an und verleiht Glücksgefühle. Auch auf dem Räuchersieb verströmt er seinen typischen Geruch von frisch geschnittenem Gras. Allerdings sollte man ihn nicht zu stark dosieren, um Kopfschmerzen zu vermeiden und am besten mit anderen Sonnenkräutern mischen.

  • Muskatellersalbei (Salvia sclarea; Blüten, Kraut, Blätter): regt die Kreativität und Phantasie an, muntert auf, gleicht aus und harmonisiert, vermittelt Geborgenheit und Trost, spendet inneres Licht, regt die Sinnlichkeit an, reinigt und schützt
  • Wermut (Artemisia absinthium; Blüten, Triebspitzen, Kraut): öffnet den Geist und inspiriert, fördert die Hingabe und Sinnlichkeit, regt an, gibt Kraft, ermuntert, stärkt das Selbstvertrauen
  • Klatschmohn (Papaver rhoeas; Blüten, Samen, Kapseln): erwärmt das Herz, macht zufrieden, beruhigt, intensiviert Träume, fördert Sinnlichkeit
  • Echtes Labkraut (Galium verum; blühendes Kraut): der süße Duft schafft eine angenehme Energie im Raum, er schützt, wärmt, löst Anspannung und Zweifel auf, schafft Vertrauen und öffnet das Herz
  • Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella; blühendes Kraut): erweitert leicht das Bewusstsein, hellt die Stimmung auf, fördert die Intuition, reinigt, entspannt, schafft ein allgemeines Wohlbefinden, euphorisiert etwas

Dies war nun erst einmal meine allgemeine Übersicht zum Jahreskreisfest Beltane. Im nächsten Beitrag gibt es dann noch eine Idee für dein Ritual zu Beltane sowie ein paar Sinnfragen. Feierst du Beltane? Wenn ja, wie? Lass es mich doch gerne in den Kommentaren wissen.